Gehalt für Quereinsteigende: Das ist realistisch
Ein Berufswechsel kann neue Perspektiven eröffnen. Gleichzeitig stellt sich für viele Quereinsteigende eine ganz praktische Frage: Mit welchem Gehalt können Sie im neuen Beruf rechnen?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Ob Sie beim Quereinstieg mit Lohneinbussen rechnen müssen oder Ihr bisheriges Gehaltsniveau halten können, hängt unter anderem vom neuen Beruf, Ihrer Erfahrung, Ihren Qualifikationen und den Anforderungen der Stelle ab. Entscheidend ist deshalb weniger, dass Sie sich beruflich neu orientieren, sondern was Sie für die neue Tätigkeit mitbringen.
Bedeutet ein Quereinstieg automatisch weniger Gehalt?
Nicht unbedingt. Viele Kompetenzen lassen sich von einem Beruf auf einen anderen übertragen. Haben Sie beispielsweise bereits Teams geführt, Projekte koordiniert, Kundinnen und Kunden beraten oder mit bestimmten digitalen Anwendungen gearbeitet, können diese Erfahrungen auch in Ihrer neuen Tätigkeit relevant sein.
Je grösser die Überschneidung zwischen Ihrem bisherigen Profil und der neuen Stelle ist, desto besser können Sie Ihre bisherige Erfahrung auch bei der Lohnverhandlung geltend machen.
Welche Faktoren bestimmen Ihren Lohn?
Bei der Einschätzung eines realistischen Gehalts sollten Sie nicht nur Ihren bisherigen Lohn betrachten. Die Schweizer Lohnstrukturerhebung berücksichtigt beispielsweise Merkmale wie Ausbildung, berufliche Stellung, Tätigkeit, Branche und Region.
Für Quereinsteigende sind insbesondere folgende Punkte relevant:
- Beruf und Branche: Das allgemeine Lohnniveau unterscheidet sich teilweise deutlich zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern.
- Übertragbare Fähigkeiten: Fachliche und persönliche Kompetenzen aus Ihrem bisherigen Berufsleben können Ihren Wert für einen neuen Arbeitgeber erhöhen.
- Aus- und Weiterbildung: Passende Kurse, Zertifikate oder Weiterbildungen können die fehlende Berufserfahrung teilweise ausgleichen.
- Verantwortung: Personal-, Projekt- oder Budgetverantwortung kann sich auch bei einem Berufswechsel auf die Einstufung auswirken.
- Region: Auch der Arbeitsort spielt bei der Lohnhöhe eine Rolle.
- Unternehmen und Funktion: Unternehmensgrösse, konkrete Aufgaben und die Anforderungen der Position beeinflussen ebenfalls das mögliche Gehalt.
Ein bestimmter Prozentsatz, den Quereinsteigende generell weniger verdienen, lässt sich deshalb nicht seriös nennen.
Wann müssen Sie eher mit Lohneinbussen rechnen?
Ein tieferer Einstiegslohn ist vor allem dann realistisch, wenn Sie in der neuen Tätigkeit zunächst grundlegendes Fachwissen oder praktische Erfahrung aufbauen müssen.
Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Sie in ein Berufsfeld wechseln, das stark auf spezifischem Fachwissen basiert und Ihre bisherigen Erfahrungen nur begrenzt übertragbar sind. Auch wenn Sie bewusst von einer Führungsposition in eine operative Einstiegsfunktion wechseln, kann der Lohn zunächst tiefer ausfallen.
Dabei lohnt sich jedoch der Blick über den ersten Lohn hinaus. Ein vorübergehender Rückgang kann Teil einer langfristigen beruflichen Neuorientierung sein. Entscheidend ist, welche Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten Ihnen die neue Tätigkeit bietet.
Wann können Sie Ihr bisheriges Lohnniveau eher halten?
Anders sieht es aus, wenn sich zwar Ihr Beruf oder Ihre Branche verändert, Ihre bisherigen Kompetenzen aber weiterhin gefragt sind.
Wer beispielsweise aus dem Verkauf ins Recruiting wechselt, bringt möglicherweise häufige Erfahrung in Gesprächsführung, Beratung und Verhandlung mit. Beim Wechsel aus der Gastronomie in eine kundenorientierte Tätigkeit können Organisationstalent, Belastbarkeit und Serviceerfahrung relevant sein. Auch Führungserfahrung oder digitale Kompetenzen verlieren ihren Wert nicht automatisch, nur weil Sie die Branche wechseln.
Machen Sie deshalb sichtbar, welche Ihrer bisherigen Erfahrungen unmittelbar zur neuen Stelle passen. Das stärkt nicht nur Ihre Bewerbung, sondern auch Ihre Position in der Lohnverhandlung.
So finden Sie einen realistischen Lohn für Ihren Quereinstieg
Orientieren Sie sich zunächst am Lohn der neuen Tätigkeit und nicht ausschliesslich an Ihrem bisherigen Einkommen. Ein guter Ausgangspunkt ist der statistische Lohnrechner Salarium des Bundesamtes für Statistik. Dort können Sie unter anderem Wirtschaftszweig, Region, Berufsgruppe und weitere Merkmale auswählen und erhalten eine Schätzung des monatlichen Bruttolohns sowie eine Lohnspanne. Die aktuelle Berechnung basiert auf Daten der Lohnstrukturerhebung 2024.
Für Ihre persönliche Einschätzung können Sie anschliessend prüfen: Welche Anforderungen der Stelle erfüllen Sie bereits? Welche Kenntnisse müssen Sie noch erwerben? Wie viel Verantwortung übernehmen Sie?
So erhalten Sie eine realistischere Vorstellung davon, wo Sie sich innerhalb einer üblichen Lohnspanne einordnen können.
So sprechen Sie das Gehalt im Vorstellungsgespräch an
Informieren Sie sich vor dem Gespräch über die üblichen Löhne und legen Sie für sich eine realistische Spanne fest. Überlegen Sie ausserdem, welche Ihrer bisherigen Erfahrungen für die neue Stelle besonders wertvoll sind.
Wenn das angebotene Einstiegsgehalt tiefer liegt als erhofft, können auch die weiteren Rahmenbedingungen eine Rolle spielen. Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Ferientage oder klar definierte Entwicklungsschritte können ein Angebot attraktiver machen.
Beim Quereinstieg zählt mehr als der erste Lohn
Ein Quereinstieg bedeutet nicht automatisch einen finanziellen Rückschritt. Je besser Ihre bisherigen Fähigkeiten zur neuen Tätigkeit passen, desto stärker können Sie diese auch bei der Lohnfrage einbringen.
Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, für eine gewünschte berufliche Veränderung zunächst ein tieferes Gehalt in Kauf zu nehmen. Betrachten Sie deshalb nicht nur den Einstiegslohn, sondern auch Ihre Entwicklungsmöglichkeiten: Welche zusätzlichen Kompetenzen können Sie erwerben? Welche Verantwortung können Sie später übernehmen? Und welche Perspektiven bietet Ihnen das neue Berufsfeld?
Ein realistischer Lohn für Quereinsteigende orientiert sich letztlich nicht am Etikett "Quereinstieg", sondern an der neuen Tätigkeit, Ihren vorhandenen Kompetenzen und dem Wert, den Sie in dieser Funktion einbringen können.
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