Nicht mein Traumjob, aber ein Angebot: Soll ich zusagen oder weiter suchen?
Sie haben sich auf eine Stelle beworben, die nicht ganz Ihren Vorstellungen entspricht – und nun liegt plötzlich eine Zusage auf dem Tisch. Es ist zwar keine Traumposition, aber immerhin ein Angebot. Sollten Sie einfach zusagen, um beruflich wieder Fuss zu fassen? Oder sollten Sie lieber weitersuchen und das Risiko eingehen, noch länger arbeitslos zu bleiben?
Gerade auf einem angespannten Arbeitsmarkt sehen sich viele Stellensuchende mit dieser Frage konfrontiert. In diesem Beitrag helfen wir Ihnen, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Mit ehrlicher Selbstreflexion und praktischen Methoden.
Realistische Erwartungen oder Selbstverrat?
Niemand erwartet, dass jede Stelle ein beruflicher Volltreffer ist. Gerade in Übergangsphasen oder bei einem Branchenwechsel kann es sinnvoll sein, sich schrittweise dem Wunschprofil anzunähern. Dennoch sollten Sie genau prüfen: Wird Sie der Job dennoch motivieren oder führt er in eine Sackgasse?
Eine Stelle nur deshalb anzunehmen, weil sie verfügbar ist, kann mehr Frust als Erleichterung bringen. Ebenso kann es unklug sein, auf den perfekten Job zu warten, der vielleicht nie kommt.
Deshalb gilt: Je genauer Sie Ihre Kriterien kennen, desto leichter fällt Ihnen die Entscheidung.
Definieren Sie Ihre persönlichen Muss- und Kann-Kriterien
Listen Sie auf, welche Punkte für Sie unverzichtbar sind – und wo Sie bereit sind, Kompromisse einzugehen. Beispiele:
Muss-Kriterien:
- Mindestgehalt
- Arbeitsweg unter 60 Minuten
- Entwicklungsmöglichkeiten im Berufsfeld
- Teilzeitoption oder flexible Arbeitszeiten
Kann-Kriterien:
- Homeoffice-Möglichkeiten
- Nähe zum Wohnort
- Moderne Unternehmenskultur
- Attraktive Zusatzleistungen
Wenn mehrere Muss-Kriterien nicht erfüllt sind, sollten Sie das Angebot hinterfragen.
Selbstreflexion: Wo stehen Sie und wo wollen Sie hin?
Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Welche beruflichen Ziele habe ich mittelfristig?
- Passt diese Stelle in meinen Karriereplan?
- Wo liegt meine grösste Motivation: Sicherheit, Weiterentwicklung, Sinn, Flexibilität?
- Wie würde ich mich fühlen, wenn ich dieses Angebot ablehne und in 3 Monaten noch nichts Neues gefunden habe?
Eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Fragen hilft, innere Klarheit zu gewinnen.
Das Risiko kalkulieren
Bei Unsicherheit lohnt es sich, die konkreten Auswirkungen beider Optionen zu vergleichen.
Wenn Sie zusagen:
- Haben Sie finanzielle Sicherheit.
- Können Sie erste oder neue Berufserfahrung sammeln.
- Reduzieren Sie die Lücke im Lebenslauf.
- Lernen Sie neue Arbeitsmethoden und allenfalls Branchen kennen.
Wenn Sie ablehnen:
- Erhalten Sie die Chance auf eine besser passende Stelle.
- Verlieren Sie unter Umständen Zeit und finanzielle Sicherheit.
- Bleiben Sie Ihrem beruflichen Ziel treu.
Gerade bei einer intensiven Stellensuche mit bereits mehreren laufenden Bewerbungen kann die Option des Weitersuchens realistisch und sinnvoll sein. Wer hingegen seit Monaten erfolglos sucht, sollte offen bleiben.
Gespräche nutzen, statt vorschnell entscheiden
Viele Kandidatinnen und Kandidaten scheuen sich, beim Jobangebot nochmals Rückfragen zu stellen oder nachzuverhandeln. Doch gerade jetzt ist der richtige Moment, um Unklarheiten zu beseitigen. Sprechen Sie an, was Ihnen fehlt: Gibt es Spielraum beim Gehalt? Wie sieht der typische Arbeitstag aus? Welche internen Entwicklungsmöglichkeiten bestehen? Wie flexibel sind die Arbeitszeiten tatsächlich?
Ein offenes Gespräch zeigt, dass Sie sich ernsthaft mit dem Angebot auseinandersetzen. Es kann ausserdem dazu führen, dass das Angebot aufgewertet wird, etwa durch eine Weiterbildung oder bessere Rahmenbedingungen.
Eine Entscheidung treffen – und dazu stehen
Letztlich ist jede Entscheidung auch eine Abwägung von Unsicherheit, Wunsch und Realität. Ob Sie zusagen oder nicht: Wichtig ist, dass Sie sich bewusst entscheiden und danach aktiv den nächsten Schritt gehen.
Wenn Sie zusagen: Starten Sie motiviert und informieren Sie sich, wie Sie sich innerhalb der Stelle entwickeln können. Setzen Sie sich interne Ziele für die ersten 6 bis 12 Monate.
Wenn Sie ablehnen: Bleiben Sie fokussiert, intensivieren Sie Ihre Suche und nutzen Sie Ihre Netzwerke. Wer sich klar positioniert, wirkt überzeugend.
Kein Traumjob, aber ein solides Angebot – manchmal ist genau das der richtige Weg
Nicht jedes Angebot ist ein Volltreffer. Aber es kann ein Türöffner sein. Entscheidend ist, ob Sie sich in der Stelle entwickeln können – fachlich, persönlich und perspektivisch. Wenn das Potenzial fehlt, ist es besser, weiterzusuchen. Wenn Sie jedoch Ansätze erkennen, wie Sie das Angebot für sich nutzen können, kann eine Zusage durchaus sinnvoll sein.
Bleiben Sie ehrlich zu sich selbst, aber auch offen für Chancen, die sich nicht auf den ersten Blick als Traumjob entpuppen. Denn nicht selten zeigt sich erst mit der Zeit, wie viel aus einer anfangs durchschnittlich wirkenden Stelle entstehen kann.
Sind Sie unsicher, welcher Jobtitel Ihren Traumjob überhaupt beschreibt? Wir zeigen Ihnen, wonach Sie suchen müssen.
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