Fachkräftemangel in der Schweiz: Welche Branchen sind als Nächstes betroffen?

Veröffentlicht am: 15.06.2026Kategorie: News & Trends

Der Fachkräftemangel ist nach wie vor ein wichtiges Thema auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Gleichzeitig hat sich die Lage verändert: Während der Mangel in einigen Berufsfeldern zuletzt etwas nachgelassen hat, bleiben andere Bereiche weiterhin stark unter Druck. Für Stellensuchende bietet sich dadurch eine Chance. Wer weiss, in welchen Branchen künftig Personal gesucht wird, kann seine Jobsuche gezielter planen, Weiterbildungen strategisch wählen und berufliche Chancen frühzeitig erkennen.

Aktuelle Analysen der UZH zeigen: Der Fachkräftemangel in der Schweiz ist nicht überall gleich stark ausgeprägt. Gemäss dem Fachkräftemangel-Index Schweiz 2025 hat sich die Situation insgesamt entspannt. Besonders gefragt bleiben jedoch Fachkräfte im Gesundheitswesen, im Baugewerbe, in technischen Berufen und in der Elektronik. Gleichzeitig geht die Nachfrage in einzelnen Büro-, ICT- und Finanzberufen zurück.

1. Gesundheitswesen und Pflege: Der Bedarf bleibt hoch

Kaum eine Branche wird so stark vom demografischen Wandel geprägt wie das Gesundheitswesen. Die Bevölkerung wird älter, der Pflegebedarf steigt und viele Fachkräfte erreichen in den kommenden Jahren das Pensionsalter. Gesucht werden deshalb nicht nur Pflegefachpersonen, sondern auch Fachärzte, Apothekerinnen, medizinische Praxisassistenten, Betreuungspersonen und Mitarbeitende in Alters- und Pflegeinstitutionen.

Für Stellensuchende bedeutet das: Wer bereits Erfahrung im Gesundheitswesen mitbringt, hat gute Chancen. Auch ein Quereinstieg über eine Aus-, Nachhol- oder Weiterbildung kann interessant sein. Gerade im Thurgau gibt es zahlreiche Arbeitgeber in Spitälern, Pflegezentren, Arztpraxen, sozialen Institutionen und bei der Spitex.

2. Bau, Gebäudetechnik und Handwerk: Gefragt wegen Energiewende und Infrastruktur

Die Energiewende, Sanierungen, neue Heizsysteme, Solaranlagen und der Unterhalt der Infrastruktur führen zu einem erhöhten Bedarf an Fachkräften im Bau- und Baunebengewerbe. Besonders gefragt sind technische und handwerkliche Berufe wie Heizungsinstallateure, Elektroinstallateurinnen, Gebäudetechniker, Schreinerinnen, Polymechaniker oder Fachpersonen in der Bauführung.

Der Fachkräfte-Index weist unter anderem darauf hin, dass fehlende Fachkräfte in technischen Berufen auch die grüne Transformation bremsen können. Wer gerne praktisch arbeitet, technisches Verständnis mitbringt und Verantwortung übernehmen möchte, findet in diesem Bereich langfristige Perspektiven.

3. Technik, Elektronik und Industrie: Gute Chancen für spezialisierte Profile

Die Schweiz ist und bleibt ein starker Industrie- und Technologiestandort. Auch im Thurgau sind zahlreiche Unternehmen in den Bereichen Maschinenbau, Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Sensorik, Automation, Medizintechnik und Lebensmittelproduktion tätig. Entsprechend gefragt sind Fachkräfte mit technischem Know-how.

Dazu gehören Produktionsfachleute, Automatikerinnen, Elektroniker, Konstrukteurinnen, Instandhaltungsspezialisten, Qualitätsfachleute und Ingenieurinnen. Besonders gute Chancen haben Personen, die neben Fachwissen auch digitale Kompetenzen, Prozessverständnis und Lernbereitschaft mitbringen.

4. ICT: Nicht überall Mangel, aber weiterhin Zukunftschancen

In der ICT-Branche ist die Entwicklung differenzierter. Einerseits ist die Nachfrage in bestimmten ICT-Berufen zuletzt zurückgegangen. Andererseits zeigt eine Studie von ICT-Berufsbildung Schweiz, dass bis 2033 ein hoher zusätzlicher Bedarf an ICT-Fachkräften erwartet wird. Als Gründe werden unter anderem Pensionierungen, die Digitalisierung und der wachsende Bedarf an ICT-Kompetenzen in praktisch allen Branchen genannt.

Nicht jeder ICT-Job ist also automatisch ein Mangelberuf. Besonders gefragt bleiben jedoch Profile mit Spezialisierung, beispielsweise in den Bereichen Cybersecurity, Datenanalyse, Cloud, Softwareentwicklung, Systemtechnik, Schnittstellenmanagement oder digitale Prozessoptimierung. Wer sich in diesen Bereichen weiterbildet, kann seine Arbeitsmarktchancen deutlich verbessern.

5. Bildung, Betreuung und soziale Berufe: Mehr Bedarf durch gesellschaftlichen Wandel

Auch Bildungs-, Betreuungs- und Sozialberufe werden voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen. Gründe dafür sind unter anderem ein höherer Betreuungsbedarf, Integrationsaufgaben, der Ausbau von Tagesstrukturen, steigende Anforderungen an Schulen sowie die alternde Gesellschaft. Gesucht werden Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen, Fachkräfte in der Betreuung, Sozialarbeiter sowie Mitarbeitende in Institutionen.

Für Personen, die gerne mit anderen Menschen arbeiten, bieten diese Berufe sinnvolle und stabile Perspektiven. Wichtig sind Belastbarkeit, Kommunikationsfähigkeit und Freude an Verantwortung.

Was bedeutet der Fachkräftemangel für Ihre Jobsuche?

Für Stellensuchende ist der Fachkräftemangel nicht einfach ein abstraktes Wirtschaftsthema. Er hat konkrete Auswirkungen darauf, wo neue Stellen entstehen, welche Qualifikationen gefragt sind und in welchen Berufen Sie bessere Chancen auf eine Anstellung haben.

Wer sich beruflich neu orientieren möchte, sollte sich deshalb drei Fragen stellen:

  • In welchen Branchen werden langfristig Fachkräfte gesucht?
  • Welche meiner Skills passen bereits zu diesen Bereichen?
  • Welche Weiterbildung könnte meine Chancen verbessern?

Wer flexibel bleibt, erkennt neue Chancen

Der Fachkräftemangel verschwindet nicht – er verschiebt sich lediglich. Es kann sich für Sie lohnen, den eigenen Beruf nicht isoliert zu betrachten. Viele Kompetenzen lassen sich in verwandte Branchen übertragen. Wer offen bleibt, Weiterbildungsmöglichkeiten prüft und den Arbeitsmarkt aktiv beobachtet, kann vom Wandel profitieren.

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