News

Berufserfahrung während des Studiums: Was sollte ...

weiterlesen

Mindestlohn im Kanton Thurgau – denkbar oder cha...

weiterlesen
Alle Newsartikel anzeigen

Mindestlohn im Kanton Thurgau – denkbar oder chancenlos?

Veröffentlicht am 06.12.2018

Der SP-Kantonsrat und Präsident der Unia Ostschweiz-Graubünden, Jakob Auer, forderte jüngst in einem Vorstoss einen kantonalen Mindestlohn von 20 Franken pro Stunde für den Kanton Thurgau. Wie stehen die Chancen, dass der Thurgau – neben Jura und Neuenburg, die seit 2017 einen kantonalen Mindestlohn haben bzw. gesetzliche Vorschriften hierzu festgelegt hatten – einen Mindestlohn durchsetzt? Schliesslich scheiterte ebendieses Anliegen auf eidgenössischer Ebene kläglich. Und was sind eigentlich die Vor- und Nachteile eines gesetzlichen Mindestlohns, sowohl für die Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden, als auch für die Wirtschaft?

Auch wenn die Mindestlohn-Intitiative, über welche Herr und Frau Schweizer im Jahr 2014 abgestimmt haben, mit über 70% Nein-Stimmen klar abgelehnt wurde, wird die Einführung eines Mindestlohns auf kantonaler Ebene noch immer heiss diskutiert. Neu steht der Kanton Thurgau in den Schlagzeilen mit der Forderung eines Mindestlohns für alle Arbeitnehmemenden – und das, obwohl bei der Volksinitiative 2014 rund 82 Prozent der Thurgauerinnen und Thurgauer dagegen stimmten. Der Blog von karriere-thurgau nimmt sich einer kurzen Analyse der bisherigen Situation an.

Was verspricht man sich von einem Mindestlohn im Kanton Thurgau?

 

Die Mindestlohn-Forderung im Kanton Thurgau ist durchaus begründet. Schliesslich verdienen zurzeit rund 25'000 Arbeitnehme im Apfel-Kanton weniger als 20 Franken pro Stunde, was das Bestreiten des Lebensunterhaltes zumindest erheblich erschweren dürfte. Denn ein Stundenlohn von 20 Franken, so Auer, sei mindestens nötig, um in der Schweiz mit ihren hohen Lebenshaltungskosten nicht zu verarmen. Besonders ausgeprägt ist diese prekäre Lohnlage im Detailhandel und im Gastgewerbe, wo aufgrund eines fehlenden Gesamtarbeitsvertrages Willkür bei der Lohnzahlung herrsche. Ein gesetzlich verankerter Mindestlohn soll diesem Missstand einen Riegel schieben. 

Doch der Regierungsrat des Kantons Thurgau empfielt die Ablehnung des Vorstosses. Vor allem das Gewerbe steht der Einführung eines kantonalen Mindestlohns äusserst kritisch gegenüber. Laut Ruedi Bartel, SVP-Kantonsrat und Vorstandsmitglied des Gewerbeverbandes, sei es wichtig, dass die verschiedenen Branchen die Löhne selbst regulieren können. Dies funktioniere bislang problemlos, und es würden faire Löhne gezahlt. Laut Bartel mache es durchaus Sinn, dass nicht alle Arbeitnehmenden gleich viel verdienen. Denn nur so könnten beispielsweise Anreize für junge Leute geschaffen werden, um eine bestimmte Lehrausbildung zu absolvieren. 

Was sind die Vor- und Nachteile eines gesetzlich verankerten Mindestlohns?

 

Der Mindestlohn – ein gesellschaftlich relevantes Thema, das wohl nicht so schnell aus den öffentlichen Debatten verschwinden wird. Denn man bedenke: Auch wenn der Lohn für die meisten wohl nicht der ausschlaggebendste Aspekt für die Jobzufriedenheit ist, so nimmt er dennoch einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss darauf. Seit der Mindestlohn-Initiative hat sich ein Lohn von monatlich 4000 Franken als Marke für eine fairen Lohn etabliert – für viele Arbeitnehmende noch immer eine Wunschvorstellung.

Unschwer zu erkennen ist sicherlich die Tatsache, dass im Falle eines gesetzlich verankerten Mindestlohns auch niedrigqualifizierte Arbeitnehmende mit einer Vollzeitanstelllung nicht noch zusätzlich auf Sozialhilfe angewiesen sind, um über die Runden zu kommen. In denjenigen Branchen, in denen es keine Branchenverträge bzw. Gesamtarbeitsverträge gibt, kann Lohndumping grösstenteils verhindert werden. Am meisten profitieren Frauen von einem Mindestlohn, da diese häufiger in Tieflohnbranchen und Teilzeit arbeiten, was sich negativ auf die Altersrente auswirkt.

Nachteile eines Mindestlohns sieht die Kantonsregierung des Kantons Thurgau vor allem für die Wirtschaft. So wäre ein Mindesstlohn ein erheblicher Eingriff in das liberale Wirtschatssystem und hätte einen negativen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Schweiz. Des Weiteren befürchtet man, dass ein Mindestlohn nichts an der aktuellen Lohnsituation ändern würde. Vielmehr würden Stellen gestrichen oder ins Ausland verlagert; vor allem mittlere und kleinere Unternehmen könnten sich vermutlich keinen Mindestlohn leisten.

Ob der Kanton Thurgau in naher Zukunft einen kantonalen Mindestlohn einführen wird, steht zurzeit zwar noch in den Sternen. Die Chancen jedoch stehen eher schlecht. Allerdings: Sollte der Vorstoss, wie erwartet, abgelehnt werden, würde wahrscheinlich eine Volksinitiative in Betracht gezogen werden, so Auer. 

Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Lohn und denken deshalb an einen Stellenwechsel nach? Hier auf karriere-thurgau finden Sie alle offenen Stellen im Kanton Thurgau ausgeschrieben.

Top Arbeitgeber
  • jossi
  • BOSCH
  • Personalamt Thurgau
  • amcor
  • Bernina