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Frühfranzösisch – Fluch oder Segen?

Veröffentlicht am 31.10.2018

Das Schulsystem wird in der Schweiz kantonal geregelt. So werden Schüler von Kanton zu Kanton mit leicht unterschiedlichen Methoden ausgebildet – ganz nach dem Willen der jeweiligen Bevölkerung. Was aber fast alle Kantone gemeinsam haben, ist die Diskussion um den Fremdsprachenunterricht. Dass man Englisch möglichst früh lernen sollte, scheint in unserer digitalen Welt relativ naheliegend. Ein Dorn im Auge vieler Schweizer und Schweizerinnen sind vielmehr die frühen Unterrichtsstunden in einer zweiten Landessprache. In letzter Zeit wurden Programme in Frühfranzösisch oder -italiensch vielerorts bestätigt. Zuletzt haben sich im vergangenen Monat Luzern, Graubünden und auch der Kanton Thurgau für zwei Fremdsprachen in der Primarschule ausgesprochen. Doch was sind überhaupt die Vorteile vom frühen Erlernen einer zweiten Fremdsprache?

Der Thurgau hat also «oui» gesagt zum Frühfranzösisch. Doch ein klares Bekenntnis zum dazu sieht anders aus. Nach hitzigen Diskussionen über Monate hinweg, fiel die Entscheidung letztlich, mit 62 zu 60 Stimmen im Grossen Rat, denkbar knapp aus. Ausserdem soll das Modell mit dem frühen Unterricht gemäss Beschluss auf Herz und Nieren getestet werden. Dies hat einen guten Grund, denn die Kritik an diesem Modell kam vielfach von direkt Betroffenen, von Lehrern. Diese klagen über überforderte Schüler und wenig Erfolge beim Erlernen der Sprachen. Was sind also die Vorteile von frühem Sprachunterricht, die eine knappe Mehrheit sieht?

  • Kognitive Fähigkeiten werden verbessert

Zu diesem Aspekt gibt es die wildesten Theorien. Fakt ist, dass bis heute nichts endgültig bewiesen werden konnte. Verschiedene Tests zu Hirnfunktionen von Kindern haben aber immer wieder gezeigt, dass frühes Erlernen von Sprachen Vorteile mit sich bringen kann. Beispielsweise können sich Kinder, die früh eine Fremdsprache erlernt haben, oftmals besser auf bestimmte Aspekte konzentrieren. Ihnen wird also auch das Lernen im Allgemeinen leichter fallen als anderen Kindern. Demnach sollte sich also eine zusätzliche Sprachförderung nicht negativ auf andere Fächer, wie beispielsweise die Mathematik, auswirken.

  • Sprachen lernen fördert die Kreativität

Ein weiteres typisches Resultat solcher Tests sind überdurchschnittlich gute Fähigkeiten in abstraktem Denken. Bilingual aufwachsende Kinder müssen früh zwischen verschiedenen Sprachsystemen hin- und herwechseln können. Dieser Vorgang fördert die Kreativität sowie die Fähigkeit, sich in andere Menschen besser hineinversetzen zu können. Auch diese Qualitäten werden in anderen Schulfächern hilfreich sein, genauso wie auch für bestimmte Talente, beispielweise im Sport oder in der Musik.

  • Besser früh als spät

Tatsache ist: Um Englisch kommt heute wohl keiner mehr herum. In vielen Branchen in der Schweiz gilt dies auch für Französisch. Früher oder später muss man sich den Sprachen also stellen und mir persönlich kommt dazu ein Spruch in den Sinn, den mir meine Mutter immer und immer wieder ans Herz legte: «Verschiebe nicht auf morgen, was du heute kannst besorgen.» Kindern fällt das Erlernen einer neuen Sprache oftmals leichter als Erwachsenen oder auch bereits Teenagern. Ausserdem sind sie leichter für Fremdsprachen zu motivieren. Jugendliche haben schon generell öfters Motivationsprobleme, das mühsame Erlernen eine Fremdsprache gehört da bestimmt nicht zu den Motivationsspritzen. Da Kinder Sprachen in frühen Jahren leichter lernen, scheint ein möglichst früher Beginn sinnvoll zu sein.

Nicht alle Kinder sind Sprachtalente


Gerade die ersten beiden Punkte können nicht verallgemeinert werden. Kinder brauchen für derartige Erfolge eine gewisse Affinität zum Sprachenerwerb, also eine Art «Sprachtalent». Ist dieses gar nicht vorhanden, kann das frühe Erlernen der Sprache tatsächlich zur zusätzlichen Belastung werden. Schüler ohne sprachliche Begabung werden dadurch den Bedarf an intensiver Betreuung durch die Lehrperson haben, um den Spagat zwischen den verschiedenen Sprachen zu schaffen. Da ein Mangel an Lehrpersonen, insbesondere im Bereich Fremdsprachen, besteht, ist diese aber nicht gewährleistet. Problematisch an der aktuellen Situation ist also weniger die Überforderung der Schüler, als diejenige der Lehrpersonen. Dieser Gedanke lässt sich auch in der politischen Unterstützung des Frühfranzösisch im Kanton Thurgau erkennen. Nach anfänglich grossem Widerstand hat die Debatte zu einer knappen Unterstützung geführt. Man hat also das Frühfranzösisch als nicht prinzipiell schlecht anerkannt, wird aber die weitere Entwicklung dieser Problematik genaustens beobachten.

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