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Boreout: chronische Langeweile im Job...und was Sie dagegen tun können

Veröffentlicht am 19.09.2018

Stress im Job, Überforderung, Burnout…das sind inzwischen Dauerthemen. Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: Man ist unterfordert und quält sich tagtäglich mit einschläfernden Routinearbeiten, hat keinen Bock mehr auf die Arbeit, keine Lust, morgens aufzustehen. Motivation? Ein Fremdwort. Monotonie? Ein ständiger Begleiter im Berufsalltag. Man fühlt sich fast schon wie Sisyphos, der dazu verdammt wurde, einer sinnlosen Tätigkeit nachzugehen – und das Tag für Tag, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Doch wie gelingt es, aus diesem Teufelskreis auszubrechen?

Die Sache mit dem Stress...

 

Stress bzw. Dauerstress im Job ist ein weitverbreitetes Phänomen. Kein Wunder: Die Welt wird immer schneller und leistungsorientierter, ein Meeting jagt das nächste, das Telefon klingelt unaufhörlich. Die Folge: Sie sind zunehmend ausgelaugt und leiden vielleicht (schon bald) an einem Burnout. Mit diesem Problem sind Sie nicht alleine: Jeder vierte Arbeitnehmer in der Schweiz gibt an, unter chronischem Stress zu leiden.

Dass Dauerstress im Job unglücklich und krank macht, überrascht nicht. Doch wieso fällt es uns so schwer, diese Entwicklung aktiv zu stoppen? Ein Problem ist unter anderem, dass wir nicht (mehr) wissen, wie man sich langweilt. Musse ist zu einem Übel der Menschheit geworden, das es möglichst zu vermeiden gilt. Wer einmal nichts tut oder einen freien Slot im Terminkalender hat, gilt als faul oder «hobbylos». Vielleicht fragen Sie sich jetzt als Leser, was das mit Ihrem Berufsalltag zu tun hat. Schliesslich geht man zur Arbeit, um zu arbeiten und nicht etwa der Musse willen. Und da haben Sie recht. Doch wie wäre es, wenn es auch am Arbeitsplatz solche «Musse-Räume» gäbe? Räume, in die sich Arbeitnehmer einfach hineinsetzen könnten – um nichts zu tun. Einfach einmal abschalten. Und genau so, ganz ohne Druck, könnten sensationelle Ideen entstehen. Denn: Wenn wir nichts zu tun haben, entdecken wir häufig ganz neue Seiten und vielleicht sogar verborgene Talente in uns, von denen wir nichts geahnt haben.

...und der Langeweile

 

Gelegentliche Langeweile im Job kann also durchaus positive Auswirkungen haben und dem Dauerstress und damit einem Burnout entgegenwirken. Monotonie und Dauerlangeweile hingegen nicht; denn auch eine anhaltende Unterforderung im Arbeitsalltag – egal, ob aufgrund von Arbeitsmangel (quantitative Unterforderung) oder routinierten Tätigkeiten (qualitative Unterforderung) – und insbesondere das ständige Kaschieren der Langeweile ist nichts anderes als eine Stressbelastung, die schlimmstenfalls zu einem sogenannten Boreout führt. Arbeit ist und soll ja auch kein Zuckerschlecken sein, sondern eine Herausforderung, an der man persönlich reift und wächst. Und da wir einen Grossteil unseres Lebens auf der Arbeit verbringen, sollte diese auch Spass machen und, vor allem, sinnvoll sein – wobei jeder selbst definieren muss, was unter einer sinnvollen Arbeit zu verstehen ist.

Ein Boreout, das am häufigsten in Bürojobs anzutreffen ist, führt zu ähnlichen Symptomen wie ein Burnout, wobei sich diese meist recht spät bemerkbar machen. Vor allem Aussenstehende haben oft kein Verständnis für «chronisch Gelangweilte», da sie einen unterfordernden Job meist als ein viel kleineres Übel ansehen als eine überfordernde Arbeit. Kommentare wie «Sei doch froh, dass du nicht so viel zu tun hast!» werden einem regelmässig an den Kopf geworfen. Doch ein Boreout und dessen Folgen sollten keineswegs unterschätzt werden.

Langeweile im Job vermeiden – wie gelingt das?

 

So manch einer behauptet, dass Sisyphos doch ein glücklicher Mann gewesen sein muss – zumindest zu Beginn seiner Stein-Hinauf-Wälz-Karriere. Genauso glauben vielleicht auch Sie zunächst, dass Sie sich doch glücklich schätzen können, überhaupt einen Job zu haben. Auf Dauer jedoch kann uns eine uns als sinnlos erscheinende Arbeit einfach nicht glücklich machen. Ganz im Gegenteil. Mit der Zeit würden wir uns wahrscheinlich wünschen, dass der Felsbrock auf unseren Schädel knallt, uns umhaut, und wir dann als eine andere Person in einem ganz neuen Leben wieder zu uns kommen. Auch wenn Sie sich nun mit dem guten, alten Sisyphos identifizieren können: Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Ihnen und der antiken Figur. Sisyphos musste diese Arbeit als Strafe tun. Und Sie? Mehr oder weniger aus freiem Willen. Also liegt es auch an Ihnen, diese Situation zu ändern. Folgende Massnahmen könnten Sie ergreifen:

  • Werfen Sie einen Blick zurück auf Ihre Ausbildung, Ihre letzten Jobs, Ihr Privatleben. Fragen Sie sich: Was erwarte ich eigentlich von meinem Job? Eventuell ist sogar ein Jobwechsel oder eine Weiterbildung in einem für Sie interessanten Gebiet angebracht.
  • Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef. Schildern Sie ihm, wie Sie Ihre Arbeit unterfordert und wie belastend das für Sie ist. Vielleicht war dies ihm oder ihr bisher einfach nicht bewusst? Erklären Sie, dass Sie mehr können und sich auf neue Aufgaben freuen würden.
  • Wenn sich Ihr Chef wenig kooperativ zeigt, wenden Sie sich an Ihre Arbeitskollegen oder an einen Coach.
  • Wenn ein Jobwechsel zurzeit nicht möglich ist, suchen Sie sich einen geistig fordernden Ausgleich in der Freizeit.

Ein Job kann also noch so gut bezahlt, sicher und (angeblich) karrierefördernd sein: Wenn es langfristig an der (fast alles) entscheidenden Zutat Motivation fehlt, wird es höchste Zeit, Massnahmen zu ergreifen.

Machen Sie den Boreout-Test

 

Sind auch Sie oft gelangweilt in ihrem Job und fragen sich, ob Sie an einem Boreout-Syndrom leiden könnten? Wenn Sie die Mehrheit dieser Fragen mit «ja» beantworten, könnte dies tatsächlich der Fall sein:

  • Sie fühlen sich häufig unterfordert oder gelangweilt bei der Arbeit.
  • Sie ertappen sich oft selbst dabei, wie Sie während der Arbeitszeit private Angelegenheiten erledigen oder einfach wahllos auf die Computertasten tippen.
  • Sie haben das Gefühl, Ihre Arbeit ist sinnlos.
  • Sie können sich nicht mehr mit Ihrer Arbeit identifizieren.
  • Sie fühlen sich zu wenig wertgeschätzt.
  • Sie zögern Aufgaben hinaus und ziehen Projekte künstlich in die Länge.
  • Sie zählen jeweils die Stunden und Minuten bis zur Mittagspause und zum Feierabend.
  • Sie leiden eventuell schon unter verschiedenen physischen und psychischen Symptomen wie Konzentrations- und Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit, Gleichgültigkeit, Depressionen, emotionale Anspannung, Magenbeschwerden oder chronischen Kopfschmerzen.

Fazit: Ein Boreout sollte keineswegs unterschätzt oder gar als Luxusproblem abgestempelt werden. Denn chronische Langeweile im Job kann genauso zu einem chronischen Stress führen und sich somit negativ auf die psychische und physische Gesundheit auswirken, wie ein Burnout. Doch es muss nicht so weit kommen: Werden Sie aktiv und haben Sie keine Angst vor Veränderungen. Wenn es Ihnen gelingt, die für Sie optimale Balance zwischen gesundem Stress und ideenfördernder Langeweile im Job zu finden, können Sie abends getrost zu Bett gehen und sich sogar auf den neuen Tag mit all seinen spannenden Herausforderungen freuen.

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